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Montag, 15. August 2011

62.000 Euro in 90 Tagen: Größte Internetspenden-Aktion für Comic-Klassiker gestartet

Es ist die offiziell größte Internetspenden-Aktion für eine Comic-Trilogie: Peter Wiechmann (72 Jahre), der seinerzeit den Schlümpfen ihren deutschen Namen gab und jahrelang Redaktionschef von Rolf Kauka im Münchner Fix-und-Foxi-Schloss war, will die besten Episoden der beliebtesten Primo-Serien in Buchform neu herausgeben.

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Wiechmann selbst zu seiner heute gestarteten Aktion: "Für viele heute 45- bis 65-Jährige gehören die Geschichten von Andrax, Capitan Terror, Kuma, Odinson und Pichelsteiner zur Kinder- und Jugendzeit. Sie sollen mit der Trilogie ebenso angesprochen werden wie Neuleser. "Die legendären Serien von damals gelten heute als graphic novels", sagt Wiechmann. Und an dieser Stelle wird es erst richtig spannend: Ob die Titanen-Trilogie erscheint, hängt nämlich davon ab, ob die Spendensumme in 90 Tagen erreicht wird.

10 Euro - namentliche Nennung im Blog, 50 Euro - ein signiertes Buch der Trilogie, 250 Euro - eine große Comic-Originalseite von früher, 750 Euro - ein persönliches Treffen mit 2 Comicmachern: Peter Wiechmann hat sich einiges einfallen lassen, um auch die Nicht-Comicfans zu einem Sponsoring zu gewinnen. Zudem hat er einen Film gedreht, in dem er sein Vorhaben auf Youtube erläutert. Sogar Facebook hat er mit seinen 72 Jahren erstmals besucht, scheinbar will er auch im digitalen sozialen Netzwerk Förderer und Fans für sich gewinnen.

Wie Markus Zabel von der Crowdfunding-Plattform mysherpas erläutert, stehen die Chancen für einen Projekterfolg umso besser, je mehr sich Projektinhaber für ihre Ideen einsetzen. Und mal ehrlich: Wer würde das für waschechte Comics schon nicht tun? Seit August 2010 betreibt der Münchner zusammen mit fünf Freunden die Internetplattform www.mysherpas.com. "In dieser Zeit wurden knapp 20 Projekte durchfinanziert. Mehr als 1.000 Spender haben für die Ideen anderer rund 100.000 Euro gegeben", sagt Zabel. Aktuell wirbt nicht nur Wiechmann für sein Comic-Projekt um Geldgeber: Eine Fotografin braucht 12.000 Euro für ein Fotoprojekt über das Abschmelzen der Arktis, ein Student sucht 3.500 Euro für seinen Film über einen Amokläufer, ein Münchner will 3.000 Euro, um ein spezielles Kochbuch von und für Kinder herauszubringen. "Aktuell befinden sich zwischen 15 und 20 Projekte auf der Plattform - Tendenz stark steigend." In den USA gilt Crowdfunding als einer der Finanzierungstrends 2011. Auf Kickstarter, der erfolgreichsten Crowdfunding-Website, konnten unter anderem die Facebook-Alternative Diaspora, die iPhone-Halterung Glif und das iPod-Zubehör tikTok Mittel akquirieren, die weit über den erforderlichen Budgets lagen.

Die Nachrichtenagentur Reuters sieht Crowdfunding als den Finanzierungstrend 2011 für kleine und mittlere Start-Ups. Auch Non-Profit-Organisationen, die auf eigenen Websites um Spenden werben, nutzen Crowdfunding-Portale, um größere Zielgruppen zu erreichen. Das Prinzip des Crowdfunding ist schnell erklärt. Nachdem die Projektinhaber ihre Idee auf der Plattform präsentiert haben, bleiben ihnen bis zu 90 Tage Zeit, die selbst gesetzte Summe zu erreichen. Gelingt dies, erhalten sie den Betrag abzüglich einer Handlingpauschale von 10 Prozent komplett ausgezahlt. Wird die Summer nicht erreicht, erhalten alle Spender ihr Geld zurück.

Die Redaktion von medienmilch.de dazu: Mit 62.000 Euro könnte man, sollte das Projekt genug Spenden erhalten, persönlich nach Afrika fliegen und dort mehrere Leben retten. Ist ein Kinderleben nicht mehr wert als eine fiktive, 50 Jahre alte Comic-Figur? Außerdem: So schlecht sind die Comic-Helden unserer Zeit nun auch wieder nicht, man muss sich nur mit ihnen anfreunden.