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Der Scheißkerl Roboterjournalist

Journalisten und Redakteure sind einer veröffentlichten Forschungsarbeit der City University London zufolge der Überzeugung, dass sogenannte „Robo-Journalisten" kein gutes Gespür für Nachrichten haben und nur eindimensionale Storys schreiben können.

Kollege Roboterjournalist - Foto: IngImage

Aus dem Bericht geht jedoch ebenfalls hervor, dass es trotz dieser Grenzen des Roboterjournalismus durchaus Pläne gibt, die Technologie weiter auszubauen. Allein schon Thomson Reuters zieht in Erwägung, „Hunderte" Journalisten zu ersetzen. Der in der internationalen Peer-Review-Fachzeitschrift Digital Journalism veröffentlichte Bericht gibt die Ergebnisse unter der Leitung von Prof. Neil Thurman (LMU München und City, University of London) befragter Journalisten, Redakteure und Führungskräfte CNN, BBC, Thomson Reuters, Trinity Mirror und News UK wieder.

Alle hatten praktische Erfahrung mit automatisierter Texterstellungssoftware von einem der führenden Technologieanbieter. Der Begriff Roboterjournalismus, auch Robo Journalism genannt, bezeichnet Software, die aus strukturierten Daten ohne oder mit nur wenig menschlicher Hilfe Texte erstellt. Derartige Software wird bereits von Nachrichtendiensten wie Associated Press, der Los Angeles Times und Forbes genutzt.

Von Robotern erstellten Artikel fehlt es an Kreativität ...

Die Journalisten und Redakteure in der Studie von Prof. Thurman sind der Meinung, dass die Abhängigkeit des Roboterjournalismus von Datenströmen und die Notwendigkeit, die Blickwinkel im Voraus zu definieren, dazu führen, dass es den Artikeln im Vergleich zur traditionellen Berichterstattung an Hintergründen, Zusammenhängen, Komplexität und Kreativität fehlt. Ein BBC-Journalist sagte: „Ich hätte niemals so einen Artikel geschrieben", während ein erfahrener Sportjournalist von CNN das Ergebnis als „repetitiv und nur gut für den Papierkorb" bewertete. Er war der Auffassung, dass vieles, was seiner Meinung nach in einen Artikel gehört, „nicht einprogrammiert werden kann". Die Journalisten waren sich zudem einig, dass es ein großer Nachteil ist, dass für automatisch geschriebene Texte zuvor eine Vorlage erstellt werden muss. Ein Journalist der BBC meinte nach einer ersten eigenen praktischen Erfahrung mit der Technologie: „Man kann niemanden befragen oder Erklärungen zu den Zahlen bekommen, weil die Vorlage für den Artikel schon geschrieben war, ehe die Zahlen kamen". Seiner Ansicht nach sei die Technologie es nicht wert, dass die BBC sich weiter mit ihr befasse.

... aber der Wunsch nach Kostenreduzierung ist groß

Doch trotz dieser Schwachpunkte glauben die Journalisten angeblich, dass der Roboterjournalismus zur Kostenreduzierung und bei bestimmten Arten der Berichterstattung zur Verbesserung der Geschwindigkeit und der Genauigkeit beitragen kann. Journalisten von CNN und Reuters waren der Auffassung, der Roboterjournalismus könne „Kosten reduzieren", indem er „teure Mitarbeiter", die „relativ einfache und zeitaufwändige Arbeit leisten" ersetzt. Ein Journalist von Reuters meinte, durch die Automatisierung könnten die Geschwindigkeit und die Präzision der Berichterstattung verbessert werden. Dies könne „für alle Bereiche des Unternehmens interessant sein". Ein anderer Reuters-Journalist sagte, die Automatisierung werde für Artikel genutzt, „die mangels Personal nicht manuell abgedeckt werden können".

Wie steht es um die künstliche Objektivität ?

Der Roboterjournalismus wurde sowohl als förderndes Mittel wie auch als Bedrohung für die journalistische Objektivität gesehen. Ein Journalist der Sun meinte, der Roboterjournalismus könne „Fakten so präsentieren, wie sie sind", ohne „Manipulation" durch den Menschen. Dies könne ein „recht gutes Instrument für die Demokratie sein". Ein BBC-Journalist befürchtete jedoch, dass der automatisierte Journalismus und das mit seiner Hilfe erzeugbare Volumen es „parteiischen" Personen und Organisationen leichter machen könnte, Einfluss auf die Nachrichtenschwerpunkte zu nehmen.

Abschließend schreibt Prof. Neil Thurman: „Der Roboterjournalismus ist nur eingeschränkt in der Lage, den für die Berichterstattung erforderlichen aktuellen Kontext zu liefern, die Nuancen der menschlichen Ausdrucksweise zu verstehen, die bestimmen, wie über ein Ereignis berichtet wird, und stets den wichtigsten Blickwinkel zu erkennen. Wir denken jedoch, dass diese Form des Journalismus künftig vermehrt für einfache Tatsachenberichte, für die schnellere Veröffentlichung solcher Berichte und für Themen, über die es sich bisher nicht zu berichten lohnte, zum Einsatz kommen wird."

Die ausführliche Version der Studie ist hier (auf Englisch) abrufbar.